Lehrgang „Motivieren, aber wie?“

 

Die Erwartungen der Teilnehmer waren unterschiedlich. Sie wollten z.B. die eigene Arbeit im Verein reflektieren; Impulse für die Jugendarbeit bekommen oder Ideen generieren, wie man Andere für die Jugendarbeit motivieren kann. Dieser Herausforderung stellte sich der Referent Charly (Ralf) Alt. Er verglich die Lehrgangsinhalte mit einem Buffet, an dem sich jeder bedienen darf. Will man alles gierig in sich hineinschlingen, bekommt es einem nicht. Aber beim Probieren von kleinen Häppchen wird deutlich, wo ein leckerer Nachschlag noch zur Verfügung steht.

 

Burkhard Schindler, Jugendvorstandsmitglied für Aus- und Fortbildung der DSJ und Organisator des Wochenendes, warnte uns, dass Charly allerlei schräge Sachen mit uns machen wird. Aber auch gerade dies ist es, was ihn an dem Seminar so begeistert. Es findet nicht umsonst inzwischen zum fünften Mal statt. Er stellte klar, in diesem Seminar geht es in erster Linie um die Motivation der Teilnehmer. Niemand kann andere motivieren, wenn er/sie selbst nicht motiviert ist, etwas anzupacken.

 

Der Freitagabend war für das gegenseitige Beschnuppern vorgesehen. Unterschiedliche Kennenlernspiele zeigten uns Gelegenheiten auf, wie es möglich ist, aus fremden Leuten eine Gruppe zu bilden. In einer dieser Runden stellte sich jeder Teilnehmer anhand eines selbstgestalteten Wappens vor. Dieses enthielt neben Namen und Alter auch die Erwartungen an das Wochenende, persönliche Eigenschaften sowie ein Selbstportrait. Schnell wurde klar, es ist wichtig, etwas voneinander zu wissen, um zu verstehen, was einen Anderen bewegt. Es gilt die Erwartungen von Personen zu akzeptieren, bevor man offen und ungezwungen aufeinander zugehen kann. Und genau dieses „Blick über den Tellerrand werfen“ verband uns das ganze Wochenende miteinander.

 

Die Anregungen holten wir aus den drei Fragen: „Was erwartet der Verein von mir?“, „Was erwarte ich vom Verein?“ und „Was mache ich bereits heute im Verein?“. Sie dienten dazu, unsere Erwartungen, die Erwartung Anderer und die Realität klar zu formulieren. Interessant fiel auf, dass hier neben den obligatorischen Hoffnungen wie Vertrauen, Zusammenarbeit, Unterstützung, Kooperation, Anerkennung und Engagement für den Verein auch objektiv negative Erwartungen genannt wurden. So ist die Annahme Missgunst bzw. Neid vom Verein zu bekommen im ersten Augenblick überraschend. Aber eröffnet nicht das alte Sprichwort „Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen“ eine andere Perspektive? Dann freut sich nämlich jeder über Neider.

 

Am Samstagmorgen galt es zu untersuchen: „Wie sehe ich mich, was weiß ich über mich?“. In einem Fragebogen mussten in kürzester Zeit Sätze vollendet werden, welche die eigenen Eigenschaften reflektierten. Als es die einzelnen Aussagen anschließend im Plenum unkommentiert zu hören gab, war die Verwunderung doch groß. Bei vielen Eigenschaften herrschte eine große Übereinstimmung oder es ließ sich zumindest klare Richtungen ausmachen. Insbesondere beim Umgang mit Wut, Enttäuschung und Streit konnten einige ihr persönliches Verhalten bewusst reflektieren. Dies hilft nun ungemein im zukünftigen Umgang damit.

 

„Hoch hinaus“ hieß ein Kooperationsspiel, bei dem alle Gruppenmitglieder Fäden in der Hand hatten, um damit einen Kran zu steuern welcher möglichst viele Holzklötze aufeinander stapeln sollte. Dabei steigerte sich die Euphorie so weit, dass nicht aufgehört wurde. So wäre ein gutes Ergebnis möglich gewesen, aber wir wollten, wie die Bewohner von Babel, immer höher hinaus. – Dass dies nicht funktionieren konnte und den Turm zum einstürzen brachte, war allen von vornherein klar. Dennoch konnte die ganze Gruppe nicht vom Versuch lassen, einen weiteren Holzklotz auf den Turm zu stellen. Damit fiel das bisher Erreichte einfach in sich zusammen.

 

Teambildung und ein kleiner Wettstreit führte uns am Nachmittag in das Themengebiet Kommunikation und Ehrung ein. Drei Teams bekamen die Aufgabe, in kürzester Zeit einen Teamleiter aus ihrer Mitte zu bestimmen und anschließend in wenigen Minuten, aus neun DIN A4 Blättern ohne weitere Werkzeuge und Hilfsmittel einen möglichst hohen Turm zu bauen. Die Gemeinschaftsleistung aller drei Teams war bewundernswert und die Entscheidung bis zu Letzt offen. Am Ende setzte sich eine solide Konstruktion gegen gewagte Turmbauten durch. Der Spielleiter wunderte sich nur über die Ruhe des Siegerteams. Sie nutzen ihre Zeit bis zur letzten Sekunde aus. In einer feierlichen Zeremonie wurden danach die Siegreichen Teams mit Medaillen geehrt. Zusätzlich erhielt jedes Teammitglied eine Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme. Das zeigte auf, wie wichtig Anerkennung für geleistete Arbeit ist, aber wie schnell es geht eine Ehrung abzuwerten, wenn die Ausschüttung wie mit einer Gießkanne erfolgt.

 

„Aktives zuhören“ heißt zuhören, was ein Gesprächspartner sagt, verstehen was er damit ausdrücken möchte und reflektieren was angekommen ist. So zeigt der Zuhörer, ich nahm nicht nur deine Worte war, sondern verstehe auch den Inhalt von dem Gesagten.

 

In wieweit Deeskalationsstrategien mit Motivation zu tun haben können, war am Anfang nicht allen Teilnehmern klar. Wird aber die Fähigkeit zur Abwehr auf die ständige Bedrängung durch die Umwelt, noch mehr machen zu sollen projiziert, hilft das doch ungemein. Diese Techniken und vor allem die Denkweisen sind dabei sehr brauchbar, um sich vor Überforderung und ein Übermaß an Arbeit zu schützen.

 

Nach einem langen Tag im Seminarraum und im Garten nutzten wir den Abend für einen Spaziergang am Rheinufer. Dabei kamen wir bis zum Deutschen Eck, wo es sogar noch Einblicke in die gerade stattfindende Bundesgartenschau gab.

 

Den Auftakt zum letzten Lehrgangstag lag im Umgang mit einem Stapel virtueller Teller. Dies sollte zur bewussten Interaktion mit anderen Gruppenmitgliedern führen.

 

Auch wenn es am Anfang etwas befremdend war, merkten alle Teilnehmer schnell, wie befreiend es sein kann, den Gedanken freien Lauf zu lassen und nur das zu machen, was einem gesagt wird. Die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt, als wir unsere virtuellen Teller vom Garten zurück in den Seminarraum brachten und diese vor Burkard auf den Tisch stellten, damit er sie bei E-Bay verticken konnte.

 

So etwas vertrieb nun auch noch das letzte Fitzelchen Müdigkeit. Der Coach stellte uns nun Aufgaben zur Assoziation. Wir mussten Möglichkeiten der Motivation aufzeigen, die wir mit willkürlich genannten Begriffen, Ereignissen und Events in Verbindung brachten. Auch wenn wir uns bei den ersten Worten noch schwer taten, kristallisierte sich schnell heraus, dass wesentlichen Methoden in der Motivation Aufmerksamkeit und Ansprache sind. Eine einfache Gratulation, auch zu kleinen Ereignissen, zeigt den Betroffenen, dass man sich nicht nur für den Sport sondern auch für die Person interessiert und lässt eine zwischenmenschliche Beziehung entstehen.

 

Mit sechs Thesen waren wir jetzt in einem „Ideen-Kaffee“ gefordert. Dieser brühte Gedanken in Bezug darauf zusammen, welche Schritte als nächstes zu unternehmen sind, um den angestrebten Lehrsatz zu verwirklichen. Charly wollte uns damit zur Planung anregen. Denn nur wer plant, versucht zu wissen, was geschehen wird.

 

Dieser Bericht kann nur einen kurzen Abriss dessen aufzeigen, was wir alles gemacht haben. Methodenvielfalt und Ideenreichtum sind eindeutige Stärken von Charly Alt. Durch einfache Charts, ganz ohne Computer und Power Point hat er eine Vielzahl von Themengebieten angeschnitten. Damit wurden wir uns über unsere Motivation klar und konnten diese noch weiter verstärken.

 

Obwohl alle Teilnehmer schon lange in der Jugendarbeit tätig sind und bereits viele Fortbildungen besucht haben, brachte bei der abschließenden Reflektionsrunde jeder seine Begeisterung für diesen Lehrgang zum Ausdruck. In kurzen Worten beschrieben wir das, was wir aus Koblenz mitnehmen konnten. Jeder hatte an diesem Wochenende das eine oder andere, für die weitere Jugend-Arbeit im Verein bestärkende „Aha“-Erlebnis. Sicher ist auf jeden Fall, niemand bereute die Anreise zu diesem Wochenende in Koblenz. Alle freuen sich auf weitere Fortbildungen mit dem Team der DSJ.

Termine zur Meldung

Motivieren, aber wie?
13.05. – 15.05.2011
Koblenz
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